Das Blog des Instituts für philosophische und ästhetische Bildung der Alanus Hochschule

B.A. Philosophy Arts and Social Entrepreneurship, M.A. Philosophy of Social Innovation und Studium Generale

„Ist der menschliche Geist ein Teil der Natur?“

Vortrag des Philosophen Markus Gabriel an der Alanus Hochschule

Vor ca. 200 Zuhörerinnen und Zuhörern hat der international bekannte Philosoph Prof. Dr. Markus Gabriel (Universität Bonn) am Abend des 18. Mai an der Alanus Hochschule seine Theorie des Verhältnisses zwischen Geist und Gehirn erläutert. Der Vortrag fand auf Einladung des Instituts für philosophische und ästhetische Bildung (Fachbereich Bildungswissenschaft) statt und bildete den Auftakt einer engeren Kooperation mit dem Institut für Philosophie an der Universität Bonn. Der Vortrag traf auf großes Interesse im Hochschulkollegium, bei den Studierenden und bei Bürgerinnen und Bürgern aus der Region. Moderiert wurde der Abend von Prof. Dr. Hans-Joachim Pieper.

 

Marcelo da Veiga und Hans-Joachim Pieper begrüßen Markus Gabriel.
Marcelo da Veiga und Hans-Joachim Pieper begrüßen Markus Gabriel.

Markus Gabriel zeichnete in großen Zügen den aktuellen Stand der Debatte um das sog. Geist-Gehirn-Problem nach und bezog einen klaren Standpunkt gegen alle Versuche, den menschlichen Geist auf neuronale bzw. biochemische Prozesse zu reduzieren. Der Autor der philosophischen Bestseller „Warum es die Welt nicht gibt“ und „Ich ist nicht Gehirn“ griff zu zahlreichen Bildern und Vergleichen, um zu zeigen, dass Geist und Bewusstsein nicht mit dem Gehirn identisch sind. Das Gehirn sei zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für das Bewusstsein, so wie ein Fahrrad eine notwendige Bedingung für das Fahrradfahren, selbst aber noch keineswegs Fahrradfahren sei. Dem Problem, wie Geist und Gehirn innerhalb derselben Wirklichkeit miteinander interagieren, stellte er seine Sicht gegenüber, die weder als monistisch noch als dualistisch, sondern als pluralistisch gelten soll: An die Stelle der einen, alles umfassenden Wirklichkeit treten bei Gabriel unendlich viele „Sinnfelder“, Wirklichkeitsschichten vergleichbar, die sich vielfältig miteinander verknüpfen lassen, aber nie vollständig die Welt repräsentieren können.

Ob sich dadurch die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Gehirn und Geist nicht nur neutralisieren, sondern auch im besten Sinne gänzlich auflösen lässt, darauf konnte auch die rege und ausführliche Diskussion keine abschließende Antwort finden. Zweifellos aber haben Vortrag und Diskussion die materialistisch-reduktionistische These von einer kausalen Abhängigkeit des Geistes vom Gehirn erschüttert. Darüber hinaus hat Markus Gabriel als funkensprühender Redner und streitlustiger Diskutant das Publikum zur eigenen Auseinandersetzung mit dem Problem angeregt und ihm dazu neue Perspektiven und Fragen mit auf den Weg gegeben.